Wissenswertes

Mit Beginn der Industrialisierung gab es im englischsprachigen Raum bis ins 20. Jahrhundert Schulen für Orthopathie. Diese orthopathischen Schulen vermittelten Ideen zur gesunden Lebensführung. Die arbeitenden Menschen sollten sich vielseitig bewegen und gesund ernähren.
Florence Nightingale und Henry Ford waren beispielsweise Befürworter der Orthopathie.

  • Der amerikanische Orthopäde Joel Goldthwait veröffentlichte ab 1904 diverse Schriften zum Einfluss der Körperhaltung und – fehlhaltung auf die Gesundheit und die daraus resultierenden Erkrankungen.
  • Die aus New York stammende Biochemikerin Ida Rolf entwickelte die nach ihr benannte Beeinflussung der Faszie (Rolfing) auf den Arbeiten von Joel Goldthwait.
  • In den 1990er Jahren war der amerikanische ärztliche Osteopath und Chiropraktor Steven Typaldos mit den ihm vermittelten manualmedizinischen Möglichkeiten unzufrieden. Er entwickelte ein eigenes Diagnose- und Therapieverfahren der Faszie und nannte es (wieder) Orthopathische Medizin.

Aktuell

  • Orthopathie sieht Faszie als Organ. Die Faszie ist mikro- und makroskopisch nach dem Tensegrity-Prinzip aus kontinuierlichen Zugkräften und diskontinuierlichen Druckkräften organisiert.
  • Orthopathie bezieht alle nationalen und internationalen Forschungsergebnisse zum Thema Faszie mit ein und überträgt diese in die Praxis.

Tensegrity

Ein wichtiges Grundprinzip der Biomechanik in biologischen Systemen ist das Tensegrity-Prinzip. Tensegrity ist ein zusammengefügter Begriff aus den englischen Begriffen tension (Zugspannung) und integrity (Ganzheit, Zusammenhalt). Er geht zurück auf die Bauweise, bei der Stäbe und Seile so miteinander verknüpft werden, dass sich die Stäbe nicht berühren und trotzdem ein stabiles Bauwerk entsteht. Die Erfindung dieser Form des Bauwerks wird dem Architekten Richard Buckminster Fuller und dem Künstler und Bildhauer Kenneth Snelson zugeschrieben. Allerdings hatte der russische Konstrukteur Karl Loganson Anfang des 20. Jahrhunderts auch mit derartigen Stabwerken experimentiert.

Auch der Körper ist nach dem Tensegrity-Prinzip aufgebaut. Dies gilt sowohl für die zelluläre Ebene, als auch für die gesamtkörperliche Ebene. Auf der Ebene des Körpers bilden die Knochen die diskontinuierlichen Stützelemente und das (myo)fasziale System die kontinuierlichen Zugelemente. Das Resultat ist, dass die Knochen im (myo)faszialen System schwimmen. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, dass in den Gelenken Druck herrscht, ist eigentlich das Gegenteil der Fall. Die Gelenke stehen bei normaler Funktion unter Zug. Funktionieren die Zugelemente aus irgendeinem Grund nicht, bricht das Tensegrity-Prinzip zusammen und es entsteht Druck.

Auf der Zellebene führt das Tensegrity-Prinzip zu einer Plastizität, welche die Form und den Stoffwechsel der Zelle mit reguliert. Die Umwandlung mechanischer Informationen in Stoffwechselvorgänge wird mechanochemische Transduktion genannt. An dem Prozess sind u.a. Integrine, als auch Aktin und Myosin beteiligt. Auch Kalziumkanäle können durch Dehnung geöffnet werden. Die von Blechschmidt beschriebenen Stoffwechselfelder mit ihren mechanischen Kraftvektoren beeinflussen so auch die Morphogenese sowohl während der Embryonalentwicklung, als auch während Anpassungs- und Regenerationsprozessen.

So findet man ein mechanisches Netzwerk, welches von der Makroebene des Bewegungsapparates bis zur Mikroebene der Zelle bis in den Zellkern reicht, um mechanische Information weiterzureichen und entsprechende Stoffwechselprozesse zu steuern. Insgesamt bietet das Tensegrity-Prinzip auch Schutz, indem es mechanische Kräfte in Zellen und im gesamten Körper so verteilt, dass lokale Wirkungen von Kräften minimal gehalten werden können.

Diagnostik

Die orthopathische Diagnose sieht Sie als Patienten mit Ihren individuellen Symptomen, bezieht aber labortechnische und bildgebende Befunde mit ein.

Praxis

Orthopathie erklärt sich (gut) mit folgenden Therapieansätzen:

  • FaszienDistorsionsModell
  • Methode Gesret
  • Atlastherapie
  • Fascial Fitness
  • Fascial Walk